6. bis 8. Oktober 2016 in Magdeburg

Neue Medizin in alten Mauern? Krankenhaus und Denkmalpflege

PDF-Dokument Programm

Der vielleicht am nächsten liegende, gleichzeitig aber nur selten debattierte Anlass, sich mit Hospital- und Krankenhausgeschichte zu befassen, liegt darin, dass ein erheblicher Teil der Fürsorgegebäude vom Mittelalter bis in das 21. Jahrhundert hinein noch existieren – sie gehören zum Straßenbild der europäischen Stadt. Bereits ihre Lage und ihre Eingliederung ins Stadtbild, die Größe und Fassadengestaltung geben wertvolle Aufschlüsse über den Anspruch und das Selbstverständnis der Krankenfürsorge im gegebenen historischen und baulichen Umfeld.

Detaillierte architektur- und bauhistorische Analysen erbringen Kenntnisse, die gleichzeitig medizin-, sozial- und kulturhistorisch außerordentlich aufschlussreich sind und in dieser Form auf anderem Wege kaum erbracht werden können. Gleichzeitig befinden sich die öffentlichen und privaten Fürsorgesysteme, vor allem aber die Medizin seit gut einhundert Jahren in einem ebenso permanenten wie rapiden Wandel. Der Weg vom großen Krankensaal mit einem oder mehreren Dutzend Betten zum Zwei- oder Einbettzimmer, der Einbau von diagnostischer Großtechnologie vom Röntgengerät bis zur Magnetresonanztomographie, die Verfügbarkeit von Laboren und die Entwicklung der technischen Ansprüche an einen zeitgenössischen Operationssaal machen schnell deutlich, dass die Bauten von „gestern“ den medizinischen Ansprüchen von „morgen“ kaum genügen können. Wie also mit dem baulichen Erbe umgehen?

Um die daran sich anknüpfenden Fragen zu diskutieren, hat die Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte zu ihrem 22. Symposium nach Magdeburg eingeladen. Gefragt war eine multiperspektivische Annäherung an die Problematik aus den verschiedenen Blickwinkeln der Krankenhaus-Geschäftsführungen, der Denkmalpflege, der Architektur sowie der Krankenhausgeschichte.

Die gewählten Tagungsorte, zum einen die Pfeifferschen Stiftungen zu Magdeburg-Cracau, zum anderen das Universitätsklinikum der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg-Sudenburg, können ihrerseits Denkmalwert beanspruchen und boten damit eine angemessene Kulisse. Auf dem Campus des Universitätskrankenhauses in Sudenburg stand zudem der geplante Abriss des kürzlich sanierten und denkmalgeschützten Gebäudes der 1929 bis 1931 errichteten Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten zur Debatte. Vorstand, Mitglieder und eingeladene Expertinnen und Experten wollten sich vor Ort ein genaues Bild von dem durch den bedeutenden Vertreter des „Neuen Bauens“, Johannes Göderitz (1888–1978), errichteten Krankenhausbau, von dem Ensemble auf dem Campus Sudenburg und den örtlichen Verhältnissen machen.

Bereits die Eröffnungsveranstaltung verwies auf den bekanntesten Sohn der Stadt, Otto von Guericke (1602–1686), und auf architektonische Fragen der Verbindung von Alt und Neu. In der direkt an der Elbe gelegenen Lukasklause mit ihrem spätgotischen Wehrturm befindet sich das nicht zuletzt wissenschaftshistorisch ausgerichtete Otto-von-Guericke-Museum; ein Tagungssaal in einem seit 2008 errichteten Anbau in zeitgenössischer Architektur hatte zuerst einigen Unmut in der Bevölkerung verursacht. In der Begrüßung thematisierten Eva Brinkschulte und Fritz Dross die denkmalpflegerische Situation der ehemaligen Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten auf dem Campus des Universitätsklinikums. Die Resolution der DGKG wurde verlesen und über den ganzen Abend rege diskutiert.

Der Dom und die Hospitäler und Krankenhäuser in Magdeburg

Ein Besuch in Magdeburg – zumal wenn er architekturhistorische und denkmalpflegerische Aspekte in dieser Form in den Mittelpunkt rückt – kann auf einen Rundgang durch den Dom schlecht verzichten. Unter der kundigen Führung von Carsten Sußmann, der seit langem die Restaurierung des gotischen Magdeburger Doms leitet, hätte sich die Gruppe leicht einen halben Tag mit einschlägigen Detailfragen befassen können.

Es folgte ein zweistündiger Rundgang durch die Stadt, bei dem Stefanie Fabian und Eva Brinkschulte die historischen Stätten der städtischen Krankenversorgung aufsuchten und erläuterten. Angefangen bei der ersten, durch den Garnisonsarzt Johann C.M. Haase errichteten Badeanstalt Magdeburgs am Fürstenwall führte der Weg entlang der Elbe zum Kloster „Unsere Lieben Frauen“. Das Klostergebäude (gegr. 1017/18) zählt zu einem der ältesten erhaltenen Bauwerke Magdeburgs. Der romanische Gebäudekomplex ist heute als Kunstmuseum einer der bedeutendsten Ausstellungsorte der Gegenwartkunst in Sachsen-Anhalt. Erinnert werden sollte aber hier, wie auch bei der Wallonerkirche des ehemaligen Augustinerklosters, an die Bedeutung der Klostermedizin und die Pflegeorden der Augustiner, aber auch an die Beginen im Kloster Berge.

Von da aus ging es zur Johanniskirche, in der Martin Luther 1524 predigte, was dazu führte, dass Magdeburg protestantisch wurde. Unweit davon gelangten wir zum Alten Markt mit dem Rathaus der Stadt und dem Standbild des Magdeburger Reiters. Hinter einem benachbarten Gebäude befindet sich das Denkmal für Johann Andreas Eisenbarth (1663–1727). Der Handwerkschirurg, Wundarzt und Starstecher betrieb an diesem Ort seine Magdeburger Manufaktur, eine gewinnbringende Produktionsstätte für Arzneimittel.

Ganz in der Nähe befindet sich das Gelände des ältesten städtischen Krankenhauses Magdeburgs, des 1817 eröffneten Krankenhauses Altstadt. 2007 wurde dieser Standort aufgegeben und das städtische Klinikum Magdeburg ganz nach Olvenstedt verlagert. Bei der Besichtigung dieses Geländes und der leerstehenden, aber derzeit noch erhaltenen Gebäude, deren weitere Nutzung noch nicht geklärt ist, wurde das zeitliche Segment einer wechselvollen fast 200-jährigen Krankenhausgeschichte überdeutlich.

Am Nachmittag wurde das Programm in den 1889 begründeten Pfeifferschen Stiftungen im rechtselbischen Magdeburg-Cracau fortgesetzt. Der Vorsteher der mit heute über 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern größten Einrichtung der Diakonie in Sachsen-Anhalt, Christoph Radbruch, führte mit einem ausführlichen Rundgang über das Gelände in die Geschichte der Einrichtung, ihre heutige Situation und ihre Perspektive ein. Bis in den Abend durften wir anschließend in drei Sektionen den Tagungssaal der Stiftungen benutzen.

Krankenhausbetrieb in alten Mauern

Die erste Sektion „Krankenhausbetrieb in alten Mauern“ war der Perspektive der Geschäftsführung von Krankenhäusern und Krankenpflegeeinrichtungen gewidmet. An dem gerade im Bestand besichtigten Beispiel erläuterte Christoph Radbruch (Magdeburg) unter dem Titel „Last oder Lust? Krankenhausbau und Denkmalpflege aus dem Blick eines Krankenhausträgers“ die Situation der Pfeifferschen Stiftungen.

Am Beispiel des 1897 eröffneten städtischen Großkrankenhauses in Nürnberg beleuchtete Stephan Kolb (Nürnberg) das Thema „Unternehmensentwicklung im Altbestand.“

Zur Sanierung von historischen Krankenhausbauten

Die folgende Sektion war der Frage der „Zur Sanierung von historischen Krankenhausbauten“ gewidmet. Unser Vorstandsmitglied Piotr Gerber (Wrocław) führte an Beispielen aus Schlesien in die Problematik der Modernisierung von historischen Krankenhausbauten ein. Viele der angesprochenen Einrichtungen werden wir in unserer kommenden Exkursion im Oktober 2017 nach Schlesien auch vor Ort studieren können. Ihm folgte Arnold Körte (Berlin) mit einem Vortrag über „Krankenhäuser von Martin Gropius – eine Herausforderung an die Denkmalpflege“.

Förderpreisträger stellen sich vor

Den Abschluss des Tagungsteils bildete die Vorstellung der Förderpreisträgerinnen und -träger. Präsentiert wurden die Arbeiten von Maria Keil (Berlin): „Eine Krankengeschichte: Das Bett in der Klinik“ (Förderpreis 2014), Ole Dohrmann (Lübeck/Berlin): „Die Entwicklung der medizinischen Dokumentation im Charité-Krankenhaus zu Berlin am Beispiel der psychiatrischen Krankenakten von 1866 bis 1945“ (Förderpreis 2015) sowie Verena Wulf: „Medizin, Pharmazie und Jüdische Orthodoxie hinter den ‚Mauern der Barmherzigkeit‘ – Der rheinische Arzt Moritz (Mosche) Wallach (1866–1957) und das ‚Allgemeine Jüdische Krankenhaus Schaare Zedek zu Jerusalem‘“ (Förderpreis 2016). Verena Kruza (Hamburg), der für ihre Arbeit „Der Operations- und Rettungsbunker im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf“ ebenfalls der Förderpreis des Jahres 2016 zuerkannt wurde, war aufgrund ihrer einschlägigen denkmalpflegerischen Thematik im Tagungsprogramm auf den folgenden Tag gesetzt worden. Bei dem gemeinsamen Abendessen, wieder in der Magdeburger Innenstadt, wurden die Urkunden an die Förderpreisträgerinnen und -träger feierlich übergeben.

Göderitz’ Erbe

Der folgende Tagungstag wurde mit einer Sektion zu „Göderitz’ Erbe“ eröffnet und fand daher auf Einladung von Prof. Eva Brinkschulte, der in Magdeburg in den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte gewählten Leiterin der Abteilung „Geschichte, Ethik und Theorie der Medizin“, sowie des Dekans der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke Universität (OvGU), Prof.Hermann-Josef Rothkötter, auf dem Campus des Magdeburger Universitätsklinikums statt.

Weit über ein förmliches Grußwort hinaus führte Dekan Rothkötter in die Problematik des aus der Perspektive des Universitätsklinikums für den Neubau eines Herzzentrums notwendigen Abrisses der 1929 bis 1931 errichteten Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten ein und erläuterte detailliert die Vorgaben der Landesregierung, die technischen Notwendigkeiten eines hochmodernen Herzzentrums und den Gang der Verhandlungen bis zur Beantragung der Denkmalzerstörung.

Daran knüpften die Ausführungen der zuständigen Landeskonservatorin Ulrike Wendland unmittelbar an, die sich in ihrem Gutachten ausdrücklich gegen den Abriss gewandt hatte. Insbesondere das sehr späte Einschalten der Denkmalpflege, nach im Grundsatz bereits gefallener Entscheidung, wurde kritisiert.

Abschließend ordnete der Kunst- und Architekturhistoriker Olaf Gisbertz (Braunschweig), der mit einer Arbeit über Bruno Taut und Johannes Göderitz promovierte, den zur Debatte stehenden Krankenhausbau in das größere historische Umfeld ein: „Sonne, Luft und Licht – Neues Bauen in Magdeburg“.

Der Campus des Universitätskrankenhauses

Die intensive Debatte, die, was besonders zu betonen ist, bei allen Kontroversen in der Sache immer umgänglich geführt wurde, konnte bei einem ausführlichen Rundgang über den speziell in denkmalpflegerischer Hinsicht hochinteressanten und durchaus gelungenen Campus des Universitätskrankenhauses fortgesetzt werden. Dekan Rothkötter öffnete uns die Türen der zum Abriss bestimmten ehemaligen Hautklinik, die insbesondere ein „skills lab“ für die Studierenden beherbergt. Eva Brinkschulte führte über die Anlage und erläuterte ihre Entwicklung vom städtischen Krankenhaus Sudenburg zum Universitätsklinikum Magdeburg.

Auf dem weitläufigen Gelände des Universitätsklinikums an der Leipziger Straße finden sich bauliche Zeugnisse von den Anfängen im Jahre 1891 bis zu den Neubauten nach der Gründung der Universität 1993 und erste Hinweise für die jüngste Planung, den Bau des Herzzentrums. Vom ehemaligen Krankenhaus Sudenburg, das als zweites städtisches Krankenhaus Magdeburgs ab 1891 errichtet wurde, sind heute noch die Gebäude Haus 1 und 2, das ehemalige Badehaus, die Apotheke sowie das ehemalige Schwesternhaus, das heute die Verwaltung und das Dekanat beheimatet, als architektonische Zeugnisse dieser Bauphase erhalten. Sie wurden für eine neue Nutzung restauriert und gelungen saniert und dienen heute theoretischen Instituten sowie Laborräumen.

Auch die Gebäude, die notwendig wurden, als das Krankenhaus 1954 Medizinische Akademie und damit den DDR-Universitätskliniken gleichgestellt wurde, wie z. B. der Hörsaal und das Pathologische Institut, sind nach Sanierung weiterhin in Nutzung. Mit der Gründung der Universität 1993 wurde die Medizinische Akademie zur Medizinischen Fakultät. Auch durch diese Entwicklungsphase ist das Gelände baulich geprägt. Der Mittagsimbiss fand im Haus 2 statt, einem der ältesten erhaltenen Pavillons, in den nach gelungener Sanierung 2007 das Institut für Geschichte, Ethik und Theorie der Medizin einziehen konnte.

Musealisierung und Umnutzung

Nach der Mitgliederversammlung widmete sich die abschließende Sektion dem Thema „Musealisierung und Umnutzung“. Anna Zülch (Hamburg) erläuterte die grundsätzlichen Zusammenhänge von Nutzungserhalt, Umnutzung, Nachnutzung – historische Bausubstanz kann mittel- und langfristig nur erhalten werden, wenn sich die Gebäude gegenwärtig sinnvollen Nutzungen zuführen lassen, die speziell im Krankenhausbereich dann sehr oft keine klinischen Nutzungen mehr sind.

An einem ganz aktuellen Beispiel und damit auch ihre mit dem Förderpreis der Gesellschaft ausgezeichnete Arbeit vorstellend, sprach Verena Kruza (Hamburg) über den Operations- und Rettungsbunker im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Hier ergeben sich aus dem Baubefund durchaus neue und attraktive Anstöße für die Medizin- und Krankenhausgeschichte, denn die Geschichte des Krankenhausbetriebs in Bunkern und unter Kriegsbedingungen ist noch nicht geschrieben.

Den Abschluss machte Thomas Schnalke (Berlin), Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité mit seinem Vortrag über „Das Museum als historische Wissenschaftsinfrastruktur“.

Resolution der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte zur Denkmalzerstörung der ehemaligen Hautklinik im Universitätsklinikum Magdeburg

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte (DGKG) ist bestürzt über die Aufhebung des Denkmalschutzes und den geplanten Abriss des kürzlich sanierten Gebäudes der 1929 bis 1931 errichteten Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, heute Haus 15 des Universitätsklinikums Magdeburg. Vorstand und Mitglieder haben daher beschlossen, das 22. Symposium der DKGK unter dem Titel „Neue Medizin in alten Mauern? – Krankenhaus und Denkmalpflege“ vom 6. bis 8.Oktober 2016 in Magdeburg zu veranstalten.

Die 1931 eröffnete Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten war Teil einer umfassenden Neugestaltung des städtischen Sozial- und Gesundheitswesens. Realisiert wurde das Gebäude durch den Architekten Johannes Göderitz (1888–1978), einen hervorragenden Vertreter des Neuen Bauens. Carl Lennhoff (1883–1963), der als Direktor der Hautklinik maßgeblich an der Konzeption des Klinikgebäudes mitgewirkt hatte, wurde seiner jüdischen Abstammung wegen 1933 entlassen und in die Emigration getrieben. Neben der ehemaligen Hautklinik gehört die 1926/27 errichtet Chirurgische Klinik (heute Haus 10, Kinderklinik) zu den Schlüsselbauten der Moderne in Magdeburg. Der Abriss von Haus 15 würde mithin ein Ensemble von großem Seltenheitswert vernichten. Zerstört würde ein einzigartiges Zeugnis von medizin-, sozial- und stadthistorisch herausragender Bedeutung, wie im Gutachten der Landeskonservatorin Dr.Ulrike Wendland überzeugend dargelegt.

Auf dem Campus Sudenburg ist die bauliche Entwicklung vom Stadtkrankenhaus des späten 19. bis zum Universitätsklinikum des 21. Jahrhunderts präsent. Das Universitätsklinikum hat die ihm anvertrauten Baudenkmale mit den Sanierungen von Haus 2 (2007) und Haus 1 (2010), nicht zuletzt mit der Sanierung des heute in Frage stehenden Hauses 15 bewahrt und sie in eine sinnvolle aktuelle Nutzung überführt. Umso unverständlicher ist die Zerstörung des Kernstücks der Erweiterung aus der Weimarer Zeit.

Moderne Medizin und das Bereithalten der jeweils nach aktuellsten Möglichkeiten besten Gesundheitsversorgung der gesamten Bevölkerung war und ist in allen Gesellschaften eine bedeutende Kulturleistung. In diesem Sinne war die ehemalige Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten errichtet worden – und in diesem Sinne gratuliert die DGKG dem Universitätsklinikum Magdeburg zum Neubau eines Herzzentrums nach den Maßstäben des 21. Jahrhunderts. Eine große Kulturleistung kann indes nicht darin bestehen, die vorhergehenden Leistungen zu vernichten. Die DGKG appelliert daher an alle Verantwortlichen, die Planungen erneut zu überdenken und Entscheidungen zu treffen, um Zukunftsfähigkeit auf der Grundlage historischer Verantwortung und dem Respekt vor den sichtbar bewahrten herausragenden Leistungen ihrer Vorgänger auf dem Campus Sudenburg zu demonstrieren.
Gez.
PD Dr. Fritz Dross (Vorsitzender)
Dr.Norbert Friedrich (geschäftsführendes Vorstandsmitglied)

 

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte hat diese Resolution auf ihrer Mitgliederversammlung während der Tagung in Magdeburg am 8.Oktober 2016 rege diskutiert und einstimmig angenommen. Der Vorstand wurde beauftragt, die Resolution den einschlägigen Stellen sowie der Presse zur Kenntnis zu geben.

Die Magdeburger Volksstimme berichtete darüber in ihrer Ausgabe vom 7. November 2016, nachdem sie bereits im Vorjahr am 3. September 2015 das Problem angesprochen hatte, das am 9. September 2015 im Stadtrat diskutiert wurde. Außerhalb Magdeburgs war die Abrissplanung für das heutige Haus 15 des Universitätsklinikums, die 1931 eröffnete Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, am 28.August 2015 durch einen Artikel von Olaf Gisbertz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in die Diskussion geraten. Nicht zuletzt dieser Artikel hat dann auch veranlasst, die bis dahin gelaufenen Vorbereitungen für das 22. Symposium der DGKG 2016 kurzfristig zu stornieren und aus aktuellem Anlass zum Thema „Krankenhaus und Denkmalpflege“ nach Magdeburg zu gehen.

Gemessen an dem – bereits im Sommer 2015 recht unwahrscheinlich erscheinenden – alleinigen Ziel eines Erhalts dieses bemerkenswerten Bauzeugnisses aus der Zeit des Neuen Bauens im Gesundheitswesen, wären Tagung und die daraus resultierende Resolution als Misserfolg zu werten. Die 1929 bis 1931 errichtete Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, heute Haus 15 des Universitätsklinikums Magdeburg und durchaus zukunftsweisend als „skills lab“ der Studierenden genutzt, wird – daran kann heute kein Zweifel mehr sein – dem neuen Herzzentrum des Universitätsklinikums weichen müssen, sein Abriss ist nicht mehr zu verhindern. Insofern tragen diese Zeilen auch den Charakter eines Nachrufs.

Aber die Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte darf sich andererseits nicht an unerreichbaren Zielen messen lassen. Vielmehr ist es auf der Magdeburger Tagung gelungen, ein vielseitiges und vielschichtiges Bild der aktuellen Situation, darüber hinaus aber auch der strukturellen Probleme zu gewinnen.
Wie in dieser Form und Zusammensetzung nicht zuvor, kamen auf Einladung der DGKG Krankenhaus-Geschäftsführungen, die Denkmalpflege, Architektur, Medizin und Krankenhausgeschichte nicht nur isoliert voneinander zu Wort, sondern miteinander ins Gespräch.

Wo Krankenhausverwaltungen langfristig die Versorgung sicherstellen wollen, müssen sie mittelfristig rentabel wirtschaftende Häuser im Auge haben. Dies ergibt nicht zuletzt die kurzfristige Abhängigkeit von politischen Entscheidungen und deren Ausrichtung auf die Möglichkeiten der öffentlichen Kassen – beides führt strukturell zur Vernachlässigung von Entwicklungsperspektiven unter Berücksichtigung langfristiger historisch und denkmalpflegerisch verantwortungsvoller Planung.

Wenn einschlägige Expertise erst eingeholt wird, weil das politische Verfahren eine – der Sache nach bereits beschlossene – Denkmalzerstörung verlangt, ist es grundsätzlich zu spät. Wo die Vergabe größerer öffentlicher Bauaufträge, auch im Krankenhauswesen, im Sinne der Wirtschaftsentwicklung Neubauprojekte verlangt, und die entsprechenden Summen für Sanierungen gar nicht erst eingesetzt werden dürfen, wird die Denkmalpflege und der verantwortliche Umgang mit historischen Bauzeugnissen stets ein Feigenblatt bleiben. Auf der anderen Seite tun sich die vergleichsweise kleinen mit der Denkmalpflege befassten Stellen zuweilen schwer, die medizin- und krankenhaushistorischen Spezifika in der Kürze der Zeit zutreffend einzuschätzen.

An dieser schwierigen Schnittstelle hat sich das 22. Symposium der DGKG positioniert und die Gesellschaft als Moderator solcher Gespräche sowie als Netzwerk-Ressource ebenso sachverständiger wie hilfsbereiter Expertinnen und Experten präsentiert. Aus der Denkmalpflege sind bereits Anfragen eingegangen und beantwortet worden.

Neben den Pressemeldungen sind auf die Resolution auch aus der Politik ermutigende Antworten eingegangen. Zwar betonen alle Schreiben, dass die konkrete Entscheidung in Magdeburg bereits gefallen und unumkehrbar sei, aber die Schreiben des Magdeburger Oberbürgermeisters Dr. Trümper sowie der SPD-Fraktion des Stadtrates, des Finanzministers des Landes Sachsen-Anhalt, André Schröder, für die Landesregierung sowie der Fraktionen von CDU und SPD im Landtag Sachsen-Anhalt zeigen doch auch, dass die Rolle der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte ernst genommen wird.