Andalusische Herbergen und Hospitäler
Von Granada über Córdoba nach Sevilla
Bericht über die 13. Studienfahrt der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte nach Granada, Córdoba und Sevilla in Südspanien vom 28.09. bis 06.10.2002.
Axel Hinrich Murken
In
keiner anderen Region Europas haben sich Orient und Okzident so sehr
vermischt wie im südlichen Teil der spanischen Halbinsel, dem von
arabischer und spanischer Kultur geprägten Andalusien, wohin die 13.
Studienreise der Deutschen Gesellschaft für Krankenhausgeschichte ging.Das ehemalige maurische Reich von Córdoba entstand nach der Eroberung Südspaniens durch mohammedanische Araber im Jahr 711, aus dem sich 756 ein eigenständiges Kalifat mit einem hohen Niveau des kulturellen Lebens entfalten sollte. So errichteten die maurischen Omaijaden in ihrem 755 gegründeten Emirat von Córdoba schon Ende des 8. Jahrhunderts eine Medizinschule mit einem Hospital am Rande der Moschee.
Auch mit dem Zerfall des Reiches von Córdoba zugunsten Granadas in "Al-Andalus", dem arabischen Territorium von Andalusien, konnten sowohl moslemische wie jüdische Scholastiker und Mediziner wie Avicenna (980-1037), Avenzoar (1084-1162), Averroes (1126-1198) oder Maimonides (1135-1204) unter den Kalifen ihre wissenschaftlichen Hauptwerke schreiben und als Übersetzer tätig werden. Der Regierungssitz der Kalifen und die Universität von Córdoba entfalteten sich zu einem bedeutenden Zentrum für die Künstler und Wissenschaftler im ganzen Morgenland. Gleichzeitig errichtete man so genannte "Bimaristane", in denen Kranke durch Ärzte betreut und behandelt werden konnten.
Die entscheidende historische Wende, die die Zurückdrängung des arabischen Kultureinflusses mit sich brachte, setzte mit der Eroberung Granadas durch das katholische Königspaar Isabella von Kastilien (1474-1505) und Ferdinand von Aragonien (1479-1516) 1492 ein. Sie, die seit 1469 verheirateten Erben der beiden spanischen Hauptreiche Kastilien und Aragonien, eroberten mit Granada das letzte arabische Königreich auf der iberischen Halbinsel. Es ist das europäische Schicksalsjahr 1492, in dem die Königin Isabella Christoph Kolumbus bei seiner Entdeckung der neuen Welt erfolgreich unterstützte. Zugleich hat man aber auch den Religionsfrieden zwischen Mauren, Juden und Christen schicksalsträchtig durch das Vertreibungsedikt gegen die Juden gebrochen. Damals wurden mit dem Beginn der Neuzeit von den katholischen Königen sehr rasch Kirchen und Klöster nicht zuletzt mit dem erworbenen Reichtum aus der Neuen Welt errichtet, während das karitative Anstaltswesen erst allmählich mit dem Hospital Real (1511-1536) in Granada seinen Anfang nehmen sollte.
In diese reiche kultur- und hospitalhistorische Region ging die siebentägige Studienreise der Deutsche Gesellschaft für Krankenhausgeschichte vom 28.9. bis 6.10.2002. Nach den drei vorhergehenden Exkursionen nach Jerusalem (1996), Malta (1998) und Rom (2000) galt es mit dieser wissenschaftliche Exkursion in den westlichen Teil des europäischen Mittelmeergebietes, sich an Ort und Stelle über die südspanische Hospitalgeschichte zu informieren. Die Besichtigung der drei von einer eigenen Baukultur und Kulturgeschichte geprägten andalusischen Städte Granada, Córdoba und Sevilla in sieben Tagen wurde verbunden mit einem ganztägigen Symposium in Granada, das am Beginn der Studienfahrt stand. Aus Deutschland und der Schweiz haben 46 Teilnehmer das Pauschalangebot für die gesamte Exkursion von Ibero Tours in Düsseldorf wahrgenommen.
- Die Referenten und ihre Themen waren im
Konferenzzentrum im Hotel Carmen in Granada am 30.9.2002: Professor Dr.
med. Fernaudo Girón-Irueste, Granada: Zur Geschichte der Hospitäler von
Granada; Professor Dr. med. Dr. phil. Axel Hinrich Murken, Aachen:
Zwischen Orient und Okzident. Karawanserei, Xenodochium, Maristàn und
die Wohlfahrtsinstitution des Hospitals; Professor Dr. med. Axel
Karenberg, Köln: Granatapfel, Kreuz und Stern: Hospitäler des San Juan
de Dies (1539-1800); Professor Dr. med. Dr. phil. Axel Hinrich Murken,
Aachen: Darstellung von Krankenpflegeszenen in der spanischen Kunst des
17. Jahrhunderts; Professor Dr. med. Volker Lehmann, Hamburg:
Verletzungen von Toreros und deren ambulante und stationäre Versorgung
in Spanien; Professor Dr. med. Bettina Wahrig, Braunschweig: Die
Medikalisierung der Geburtshilfe um 1800. Die Entwicklung zur Zeit der
Aufklärung im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel als Beispiel;
Professor Dr. phil. Gunnar Stollberg, Bielefeld: Die inneren Strukturen
im Krankenhaus im 19. Jahrhundert.
- Lesen
Sie den ganzen Bericht in Historia Hospitalium, Band 24
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